Warum du als Deutscher in Thailand deine Anonymität vermissen wirst:
Wenn du nach Thailand auswanderst, rechnest du mit vielen Dingen: neuen Gerüchen, einem entspannten Lifestyle, Roller statt Auto, Papayasalat, vielleicht auch mit Magen-Darm in der Regenzeit. Aber weißt du, womit du nicht rechnest? Dass du irgendwann die Sehnsucht danach spürst, einfach unsichtbar zu sein. Der Farang-Faktor Egal ob du blond bist oder dunkle Haare hast – du bist Farang. Also Ausländer. Und das sieht man dir an. Immer. Du wirst angestarrt, angelächelt, angesprochen. Mal freundlich, mal neugierig, manchmal auch mit einem gewissen… wirtschaftlichen Interesse.
😉 „Hallo Mister! Tuk Tuk? Massage? Tailor suit? Banana pancake?“ Anfangs ist das lustig. Du fühlst dich willkommen. Besonders. Fast wie ein Promi. Aber mit der Zeit merkst du: Du kannst hier nicht einfach in der Masse untertauchen. Und das ist anstrengender, als du dachtest. 🏪 Der Moment im 7-Eleven Neulich stand ich morgens um sieben im 7-Eleven, müde, mit zerzausten Haaren und in Badelatschen. Ich wollte eigentlich nur schnell einen Kaffee und ein Sandwich. Kaum bin ich drin, ruft die Verkäuferin: „Sawatdee kaaaa, Mister!“ Lächelt mich an wie ein Honigkuchenpferd. Hinter mir dreht sich ein thailändischer Teenie um und kichert. Ich bin noch nicht mal richtig wach – aber ich bin schon Thema. Und ich dachte nur: Wie geil wär’s jetzt, einfach nur einer von vielen zu sein.
🙋♂️ Neue Bekanntschaften – ganz automatisch Im Bus, im Café, am Strand – sobald du alleine irgendwo sitzt, dauert es nicht lange, bis dich jemand anspricht. Meistens andere Ausländer. „Woher kommst du?“ „Wie lange bist du schon hier?“ „Hast du Tipps für Koh Lanta?“ Manchmal sind’s spannende Begegnungen. Manchmal willst du aber auch einfach nur deine Ruhe. Nur: Die bekommst du hier selten. Du bist halt interessant. Oder besser gesagt: du stichst raus.
🚶♂️ In Deutschland warst du „niemand“ Klingt hart, ist aber schön. In Deutschland konntest du rausgehen, durch die Straßen laufen, einkaufen, Kaffee holen – ohne, dass jemand Notiz von dir nimmt. Du konntest mit mieser Laune zur Bahn hetzen, im Supermarkt genervt die Pfandflaschen wegbringen oder einfach völlig anonym durch die Stadt schlurfen. Niemand hat sich für dich interessiert. Und das war herrlich.
🛂 Kontrolle? Immer du Und dann gibt’s da noch die nervigen Momente: Du wirst am Flughafen doppelt gecheckt. Bei Polizeikontrollen auf dem Roller: Natürlich wirst du rausgewunken. In manchen Clubs brauchst du deinen Reisepass, während Thais einfach reingehen. Nicht weil du was verbrochen hast – sondern weil du sichtbar nicht „dazugehörst“. Auffallen ist anstrengend Thailand ist freundlich, herzlich, offen – keine Frage. Aber dieser ständige Ausnahme-Status schlaucht. Es ist das subtile Gefühl, nie ganz in der Kulisse zu verschwinden. Nie einfach nur „einer von vielen“ zu sein. Du wirst vielleicht keine Lust mehr haben, immer der Fragende, der Angesprochene oder der Angeschaut-Werdende zu sein. Und das ist okay. Manchmal merkst du erst, wie wertvoll Anonymität ist – wenn du sie verloren hast.
Was hilft? Rückzugsorte schaffen. Freunde finden, die dich nicht jeden Tag was über deine Herkunft fragen. Und manchmal: einfach Kopfhörer rein und so tun, als wärst du für einen Moment wieder in Berlin, Hamburg oder Köln. Da, wo du morgens Kaffee holen konntest, ohne dass jemand „Hey mister!“ ruft.